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Wenn der Herbsturlaub nachwirkt und die Frage nach der Normalität bleibt

Wann können auch wir komplett aufatmen?

Wer sich im nun auslaufenden Herbst ins Ausland gewagt hat, der konnte in vielen Fällen erleben, wie viel weiter unsere Nachbarländer teilweise bereits beim Umgang mit der Pandemie sind. Hier hat man teilweise tatsächlich das Gefühl, dass es sich um eine Phase in ihren letzten Zügen handelt. Bereits kurz hinter der deutschen Grenze kann auf den Autobahnen das Gefühl aufkommen, man würde sich in Deutschland in einer Blase befinden und den Fortschritt bei der Bewältigung nicht recht ins Land kommen lassen wollen. Urlauber, die auf dem Weg in die Ferien noch einmal tanken oder etwas essen mögen, können sich gänzlich ohne Maske an den entsprechenden Stätten bewegen. Beispielhaft für unsere Beobachtungen soll ein Herbsturlaub in den Niederlanden dienen, welcher bekanntermaßen bei vielen Bundesbürgern große Beliebtheit genießt.

Das Aufatmen im umliegenden Ausland zeigt, dass Normalität und Entspannung möglich ist

Bei der Betrachtung der Aussagen von Entscheidungsträgern unseres Landes, kommt es immer wieder zu dem Entschluss, dass es sich um eine Taktik des Hinauszögerns handelt, die auf immer weniger Verständnis bei einem großen Teil der Bevölkerung stößt. Während sich Kanzleramtsminister Helge Braun noch zu Beginn des Jahres in den großen Medien mit der Aussage zitieren ließ, dass es im Sommer keine Notwendigkeit mehr für jegliche Einschränkungen geben wird, ist der noch amtierende Minister für Gesundheit Jens Spahn mittlerweile wieder zu der Überzeugung gekommen, man müsse nun noch einmal über den Winter durchhalten. Solche Durchhalteparolen stoßen bei der Bevölkerung auf immer weniger Gegenliebe. Vor allem diejenigen, die trotz einiger Bedenken die Entscheidung getroffen haben, sich impfen zu lassen, durstet es nach Freiheit und Entspannung in der Corona Situation. Kommt es nun immer wieder zu Aussagen, dass die Gruppe der Geimpften noch nicht groß genug sei, um die noch weiterhin vorhandenen Einschränkungen auflösen zu können, dann fühlt sich gerade diese Gruppe ungerecht behandelt und nicht verstanden. Dabei ist es für die Politik von besonderer Bedeutung, die Menschen auch in ihren Beweggründen für die Impfung verstehen zu können. Dies gilt auch dann, wenn man den Blick in die Zukunft richtet und auf die Mitarbeit der Bevölkerung angewiesen ist. Zweifellos werden erneut Situationen kommen, in welchen die Politik auf eben jene Mitarbeit angewiesen ist, um den einen oder anderen Plan umzusetzen. Wenn nun Menschen ins Ausland reisen, so merken sie, dass hier scheinbar ein größeres Vertrauen gegenüber der Bevölkerung entsteht und dass man bereit ist, Freiheiten zurückzugewinnen, die für alle einen großen Verlust dargestellt haben. In den Niederlanden konnte man im vergangenen Herbst Lebensfreude erkennen, die bei uns vielerorts noch zu fehlen scheint.

Unsichere Planungen für den Herbst und Winter sorgen für Unmut

Während die Niederlande, Dänemark und zahlreiche andere Länder im europäischen Umland bereits ihre Planungen für größere Veranstaltungen vorantreiben, wird man hier von weiterhin vorhandenen Unwägbarkeiten ausgebremst. Ob Weihnachtsmärkte oder Veranstaltungen im sportlichen Bereich: Wir scheinen auf einen Spätherbst und Winter zuzusteuern, in dem wir erneut eher neidvoll auf unsere Nachbarländer blicken werden. Erneut können die Niederlande hier eine Rolle in der Betrachtung spielen. Fußballfans konnten vor wenigen Wochen beobachten, wie die Fans von Ajax Amsterdam in der heimsichen Arena ein echtes Fußballfest gegen Borussia Dortmund bewundern durften. Bei fantastischer Stimmung und tatsächlich ausverkauftem Haus war es möglich, ohne Einschränkungen die volle Lebensfreude bei den Niederländern zu beobachten. Dass das Spiel mit 4:0 für das Team aus den Niederlanden endete, hatte natürlich nichts mit der Thematik zu tun, scheint jedoch irgendwie in diesem Zusammenhang eine gewisse Symbolwirkung zu haben. Menschen, deren Existenzen an der Umsetzung größerer Ereignisse oder an Publikumsverkehr hängt, können in unseren Nachbarländern deutlich entspannter auf die nächsten Monate blicken, als es hierzulande der Fall ist. Zu beobachten war dies auch für Menschen, die sich in die Niederlande begeben haben und den wettertechnisch schönen Oktober beispielsweise im Strandcafé genossen. Hier können Inhaber und Mitarbeiter wieder voller Freude Menschen zufriedenstellen und am Ende einen Win-Win-Effekt haben, ohne dass dabei verschiedenste Einschränkungen für Missmut auf beiden Seiten sorgen.

Einschränkungen werden immer schwerer vertretbar

Tatsächlich ist es nicht zu leugnen, dass die Fallzahlen hierzulande derzeit wieder steigen. Es wird jedoch bei der genaueren Betrachtung ebenfalls deutlich, dass die Zahl der schweren Verläufe keineswegs mehr mit dem letzten Jahr oder dem Frühjahr zu vergleichen ist. Die große Zustimmung in weiten Teilen der Bevölkerung, als es um Einschränkungen ging, die ansonsten nicht vorstellbar gewesen sind, kann es unter diesen Umständen kaum wieder geben. Weiterhin ist die Impfkampagne, die immer wieder verdeutliche sollte, dass mit der Impfung auch weitere Maßnahmen nicht mehr notwendig sein werden, ad absurdum geführt, wenn dieses Versprechen nun im europäischen Umland umgesetzt wird, hier jedoch keine Geltung mehr hat. Noch scheint jedoch in Deutschland die Möglichkeit zu bestehen, zumindest relativ glimpflich aus der Pandemie zu gehen, was das Verhältnis von Politik und Bevölkerung angeht. Schließlich sind des mehr als 2/3 der Bevölkerung, die sich für die Impfung entschieden haben und auch weiterhin tun dies viele Menschen Tag für Tag. Gelingt es der neuen Regierung, dem Rechnung zu tragen und spätestens zu Weihnachten einschränkungsfreies Feiern zu ermöglichen, so besteht noch die Chance, dass der neidvolle Blick auf das europäische Ausland bald ausbleiben kann.

Haben wir das Zelebrieren verlernt?

Als wir die Engländer im Sommer aus der Ferne dabei beobachten konnten, wie sie wieder in die beliebten Pubs konnten und voller Inbrunst feierten, da sehnte sich auch bei uns ein großer Teil der Menschen nach freieren Zeiten. Die FDP forderte zwischenzeitlich, man möge den 3. Oktober als Nationalfeiertag in diesem Jahr auch dafür nutzen, die letzten Maßnahmen fallen zu lassen und somit ein großes Fest für die Menschen zu ermöglichen. Am Ende scheint es aber bei uns so zu sein, als würde die Situation der Pandemie zwar irgendwann abklingen, jedoch ohne den einen Moment, an dem wir gemeinsam die Freude feiern und uns zurück ins Leben stürzen. Unaufgeregtheit wäre in vielen Momenten der Pandemie ein großer Vorteil gewesen und wir hätten uns eben diese Verhaltensweise von den Entscheidungsträgern gewünscht. Doch vielleicht sollten wir wieder lernen, große Ereignisse gemeinsam und als kollektives Erlebnis zu genießen und mit guten Vorsätzen in die neue Zeit zu gehen. Das Ende der Pandemie kann ein solches Ereignis zweifellos sein.

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