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Maskenpflicht an Schulen: Das Zögern der Politik auf Kosten der Corona-Verlierer

Schüler und Lehrer leiden, während Politiker in die Kameras lächeln

Der Herbst nimmt Fahrt auf und ebenso tut es die Diskussion um die Aufhebung der Maskenpflicht an deutschen Schulen. Während erste Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg Schritte gewagt haben, zögern die Landesregierungen in weiten Teilen der Republik weiterhin. Wie schwer es den Schülern an deutschen Schulen weiterhin fällt, einen kompletten Unterrichtstag mit Maske zu überstehen und dabei effektiv zu lernen, spielt in den Diskussionen kaum eine Rolle. Jüngst äußerte sich Gesundheitsminister Spahn, dessen Berufsgenossen vermehrt ohne Masken auftreten und verkündete freimütig, dass das Tragen selbiger nun wirklich keine Einschränkung sei. Ob unser Gesundheitsminister je 6 oder 8 Stunden am Stück mit Maske vor einer Gruppe gesprochen hat oder ob er sich über so einen langen Zeitraum neue Inhalte mit getragener Maske aneignen kann, bleibt offen und fraglich. Zweifelsohne sind die Kinder und Jugendlichen die Verlierer der Pandemie und der Staat hat auf erschreckende Art und Weise bewiesen, dass sie nicht an erster Stelle seiner Aufmerksamkeit stehen, auch wenn es noch so häufig und gerne kolportiert wird.

Die SPD-Fraktion posiert: Ein Hohn für Lehrer und Schüler

Befeuert werden die Diskussionen um die Maskenpflicht an Schulen auch durch unüberlegte Zeichen, die von der Politik ausgehen und immer mehr auch von Kindern und Jugendlichen kritisch beäugt werden. Da posiert die Bundestagsfraktion der SPD eng beieinander und ein einziges Mitglied trägt eine Maske. Kein Wunder scheint es da zu sein, dass auch die Kinder und Jugendlichen sich nach der Freiheit sehnen, die ihnen so lange genommen wurde, obwohl sie selbst von Beginn der Pandemie an, überhaupt von Corona betroffen waren. In zahlreichen Schulen steigt die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die geimpft sind und deren zweite Impfung nun auch mehr als 2 Wochen zurückliegt, massiv an. Hierbei handelt es sich um einen Akt der Solidarität, denn wirklich schwere Krankheitsverläufe sind bis heute bei jungen Menschen so gut wie nie zu beobachten. Hier liegt die Zahl derjenigen, die mit schweren Krankheitsverläufen zu kämpfen haben in einem Bereich, der kaum nennenswert ist. Auch die vielzitierte vierte Welle lässt weiterhin auf sich warten und auch immer mehr Wissenschaftler zweifeln daran, ob es sie überhaupt jemals geben wird. Nun von den Kindern und Jugendlichen zu verlangen, dass sie trotz steigender Impfquote weiterhin jeden Tag mit Masken im Unterricht sitzen, zeigt nochmal deutlich auf, wie wenig Wertschätzung und Dankbarkeit der Zukunft unseres Landes entgegengebracht wird.

Von Kindern und Jugendlichen wurden Entbehrungen verlangt, die haften bleiben

Wer als Erwachsener an seine Schulzeit zurückdenkt, für den sind es in vielen Fällen nicht die Unterrichtsstunden, die in Erinnerung bleiben. Stattdessen sind es Klassenfahrten, Exkursionen, Ausflüge, Schulfeste und Aktivitäten mit den Freunden, die zu so viel mehr als Klassenkameraden geworden sind. Nicht umsonst sagen wir uns gerade in den ersten Jahren nach der Schule immer wieder, wie sehr wir eben jene vermissen und wie sehr uns gemeinsame Erinnerungen noch nach Jahren mit denjenigen zusammenschweißen, deren Freundschaft geblieben ist. Nun gab es in den letzten anderthalb Jahren für die Kinder und Jugendlichen im schulischen Rahmen ganz massive Einschränkungen. Wahrlich traurig waren Bilder von Zeugnisübergaben für Abschlussklassen, die nicht von Eltern und Verwandten besucht werden durften. Da fehlten Umarmungen mit Mitschülern und Lehrern, die man immerhin viele Jahre auf dem Weg ins Erwachsenenleben an seiner Seite wusste. Auch private Treffen mit Mitschülern und Freunden wurden untersagt und es stellte sich schon im Jahr 2020 heraus, dass Kinder und Jugendliche diejenigen sein würden, die mit am meisten unter der Pandemie und vor allem unter dem Umgang mit ihr zu leiden haben würden. Sehen wir vom Feiern von Partys ganz ab, so war es stellenweise nicht einmal mehr möglich, mit 2 Freunden gemeinsam durch die Stadt zu schlendern oder das schöne Wetter in der Natur zu genießen. Eine Zeit der Unbeschwertheit, die bei vielen Menschen im späteren Leben nicht zurückkommen wird, wurde den jungen Menschen genommen. Dass nun nicht alles daran gesetzt wird, sie so schnell wie möglich von der Maskenpflicht in der Schule zu befreien, zeigt ein Unverständnis vieler Entscheidungsträger, die entweder bewusst auf Ignoranz setzen oder nicht mehr über die Fähigeit verfügen, sich in junge Menschen hineinzuversetzen.

Das Versagen reicht bis in die Kommunen

Ein Fiasko während der Pandemie war zweifellos auch das Hin- und Herschieben von Zuständigkeiten, welches vor allem mit der Schuldfrage einhergegangen ist, wenn es wieder einmal zu Situationen kam, die nahezu peinlich gelöst wurden. Ob bei Regelungen, die kaum zu verstehen und schon gar nicht nachzuvollziehen waren oder Öffnungen, die ebenso komplexe Bedingungen bereithielten. Stets waren es andere Stellen und Zuständigkeiten, welche nicht zu erreichen sind. Der Föderalismus, der sicherlich mit vielen Vorteilen versehen ist, zeigte hier seine bürokratische und unbewegliche Seite. Auch bei der Unterstützung der Kinder und Jugendlichen während der Pandemie gab es Versagen auf allen Ebenen. Nicht zuletzt sind hier auch die Städte zu nennen, die als Schulträger die Verantwortung für die jeweilige Ausstattung tragen. Während sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in Vorschlägen übte, wie die Kinder mit dem regelmäßigen Stoßlüften im tiefen Winter umzugehen haben, wir erinnern uns an Hinweise zu Kniebeugen und dem effektiven Klatschen in die Hände, waren die Kommunen vielerorts nicht bereit, Luftreiniger anzuschaffen, die den wohl kältesten Winter in deutschen Schulen nach dem Krieg hätten verhindern können. So saßen im Winter 2020/2021 Kinder und Jugendliche in deutschen Schulen, die sich auf Abschlüsse und Prüfungen vorbereiten sollten, während ihnen der kalte Wind um die Ohren blies. Wie effektiv man in dicken Winterjacken lernen kann, während Unterlagen im viertelstündlichen Takt durch die Klasse gewirbelt werden, bleibt den Langzeitbeobachtungen überlassen, die sich irgendwann mit dieser Zeit befassen werden. Was jedoch auffiel und auch bis heute bei der anhaltenden Testpflicht auffällt, ist das geringe Maß an Kritik, welches von den Kindern und Jugendlichen kommt. Mit einer beinahe heroischen Gelassenheit ertragen sie mit überwältigender Mehrheit das, was da kommt und was von ihnen verlangt wird. Ein Grund mehr, ihnen endlich wieder die Möglichkeit zu geben, mit allem zu lernen was in einer Schulklasse zu einem erfolgreichen Lernprozess gehört. Hier gehört auch das Beobachten von Mimik und Gestik in die Aufzählung, die mit einer getragenen Maske nicht vollständig abgearbeitet werden kann.

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