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Gender Wahn – Wenn der Inhalt zur Nebensache wird

Vom dogmatischen Gendern

Unsere Sprache wandelt sich im Laufe der Zeit. Es handelt sich bei ihr um ein dynamisches Produkt der jeweiligen Menschen, die sie aktiv gestalten. Dass es sich dabei um einen positiven Effekt handelt, das wird nur von den wenigsten Menschen bestritten. Selten bis nie war es jedoch in der Geschichte der Menschheit und der Sprache so, dass eine Gruppe innerhalb der Gesellschaft quasi dogmatisch dazu aufruft, eine gewisse Veränderung herbeizuführen und fortan alles zu kritisieren, was dieser Forderung nicht sofort und zu 100% Rechnung trägt. Die Rede ist vom Gendern und auch von den Fernseh- und Runkfunkanstalten, die innerhalb kürzester Zeit dazu übergegangen sind, beispielsweise die klassische Ansprache der Zuschauerinnen und Zuschauer zu negieren und stattdessen die ZuschauerInnen zu begrüßen.

Von der elementaren Wichtigkeit der expliziten Erwähnung der Frau

Wohl kaum jemand zweifelt ernsthaft daran, dass die Frau in der Geschichte oftmals nicht den gleichen Rang und Status im Ansehen der Bevölkerung genossen hat, wie es der Mann tat. Dass es sich hierbei um eine zu kritisierende Tatsache handelt, die unbedingt behoben werden muss, steht dabei ebenso außer Frage. Jedoch sind sich alle Menschen, die sich darüber im Klaren sind und dennoch das Gendern mit Sternchen und Binnen-I beispielsweise aus sprachästhetischen Gründen ablehnen, keineswegs rückwärtsgewandt oder Anhänger des Patriarchats. Besonders überraschend kommt die aktuelle Entwicklung, wenn man sich an Reaktionen erinnert, die auf Redner folgten, welche zu Beginn betonten, dass sie auf das aktive Gendern verzichten, jedoch selbstverständlich immer auch die Damen mit ansprechen wollen. In den allermeisten Fällen sorgte diese Vereinfachung für breite Zustimmung im Publikum und nur sehr wenige Männer und Frauen sahen sich durch diese Sprachregelung bevorzugt oder aber benachteiligt.

Wenn Gendern zur Religion wird

Heute muss man in einigen Fällen fast den Eindruck haben, dass es sich bei der Genderthematik um eine Art Religion für die Anhänger handelt. Wo nicht gegendert wird, da spielt der Inhalt am Ende beinahe gar keine Rolle mehr. Wir neigen immer mehr dazu, uns über Nebensächlichkeiten zu empören und dabei zu vergessen, was gerade überhaupt gesagt oder geschrieben wurde. Eine solche Entwicklung zeigt sich beim Gendern und bei anderen vermeintlichen Randthemen. Da werden Politiker nach einem Auftritt nicht nach dem gesprochenen Wort beurteilt, sondern stattdessen nach der Körperhaltung, der Frage der Krawatte und natürlich der Anzahl der gegenderten Ausdrücke. Selbst Zählungen, wie oft männliche und wie oft weibliche Formen in Reden und Schriften verwendet werden, sind heute besonders in den sozialen Medien zu finden. Unerträglich wird diese beinahe religiöse Vertretung des Genderns, wenn man mit den Menschen im Land spricht und feststellt, dass diese Sichtweise alles andere als mehrheitsfähig zu sein scheint. Es gibt in unserem Land zweifelsohne viele drängende Fragen, die es in den nächsten Jahren und Jahrzehnten angehen müssen. Konzentrieren wir uns dabei nun nicht auf Inhalte, sondern stets darauf, welche Gruppen unserer Bevölkerung sich durch die eine oder andere Formulierung benachteiligt fühlen können, so scheitern wir schon im Ansatz. Erstrebenswert wäre es daher, den beinahe religiösen Ansatz bei der Fokussierung auf die Inhalte zu wählen und bei aller Genderkritik immer wieder auf eben jene Inhalte zu verweisen.

Welche Rolle darf Sprachästhetik noch spielen?

Das Land der Dichter und Denker- So wurde unsere Republik einst in der Welt genannt und ein Stück weit auch für die Sprachästhetik sowie künstlerische Freiheit bewundert. Ganz sicher kann es ebenso wenig allgemeingültigen Anspruch haben, die Sprachästhetik über inhaltliche Faktoren sowie die der sprachlichen Klarheit zu stellen, wie es das Gendern haben darf. Jedoch scheint es in einigen Fällen doch so zu sein, dass das aktive Gendern im Schriftlichen und Mündlichen jeder Ästhetik unserer Sprache entgegenwirkt. Gerade die Dynamik jener Sprache, die sich über Jahre und Jahrzehnte immer wieder veränderte und damit auch entwickelte, sollte uns eine Mahnung sein, auch den ästhetischen Faktor zu wahren und zu pflegen. Wird neben der inhaltlichen Klarheit nun auch der ästhetische Bereich durch das aktive Gendern eher schwächer ausgeprägt, gibt es beinahe keine Gründe mehr, diese Art und Weise der Sprache dauerhaft und in der Mitte der Gesellschaft zu implementieren. Auch hier kommt erneut die Thematik ins Spiel, dass es eher eine kleine Gruppe der Gesellschaft ist, die sich durch nicht geschehenes Gendern benachteiligt und nicht angesprochen fühlt. Eine Problematik bei der Betrachtung der Medien könnte es dabei sein, dass Umfragen zur Thematik meist in besonders vermeintlich intellektuellen Kreisen gemacht werden, welche sich häufig sehr anders positionieren, als es die Mehrheitsgesellschaft tut. Auch in der Literatur und in allen Künsten, die auch nur im Entferntesten mit sprachlichen Produkten zusammenhängen, dürfte es bei Einhaltung der willkürlichen Genderregeln schwierig werden, in unserem Land Ergebnisse von Weltgeltung zu schaffen, die im Land und außerhalb gleichermaßen geachtet und akzeptiert werden.

Die Gesellschaft der Empörung in Genderfragen

Das reine Gendern, welches mittlerweile in vielen Medien aktiv gestaltet wird, wäre an sich noch keine Gefahr für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Hier kann es kritische und befürwortende Blicke auf die Thematik geben und am Ende bleibt es die Entscheidung der Medientreibenden, welche sich für oder gegen das Gendern in Wort und Schrift aussprechen. Gefährlich wird es jedoch, wenn jede Rede, jede Sendung, jede Schrift auf die Einhaltung willkürlicher Genderregeln kontrolliert wird und die Gefahr eines Shitstorms besteht, wenn eben jene Regeln nicht eingehalten werden. Hier handelt es sich schlicht und einfach um eine Anmaßung einer Bevölkerungsgruppe, die für sich in Anspruch nimmt, die alleinige Wahrheit für sich in Anspruch nehmen zu können und alle Menschen zu kritisieren, die eben jener nicht folgen. Es scheint in einigen Fällen so, als würde man nur nach Punkten suchen, die für Empörung in Frage kommen und bei denen sich eine Bevölkerungsgruppe, möge sie auch noch so klein sein, nicht genügend wertgeschätzt und erwähnt wird. Dies führt nicht nur zu ständiger Kritik, sondern vor allem zur Vernachlässigung des Inhalts. Weiterhin ist zu beobachten, dass die Hinweise darauf, wie man in Zukunft gendern könnte, sich in ihrer Absurdität nun mehr immer weiter zu übersteigen scheinen. Auch in Sachen Empörung kann es nur heißen: Zurück zu den Inhalten, mit klarer und verständlicher Sprache, die alle Menschen einschließt, ohne sich selbst zu verbiegen.

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